Patrizia Darstein
26.07.2010
Leiharbeiter nehmen in den Kliniken zu, um Engpässe zu vermeiden
In der Verwaltungsebene von Kliniken und Krankenhäusern wird die Leihmedizin immer häufiger zum Gesprächsthema. Dabei ist die Meinung der Krankenhausverwalter meistens nicht die beste. Dies rührt zum einen daher, dass Honorarärzte nicht gerade billig sind: Während ein festangestellter Arzt nur 30 Euro pro Stunde verdient, erhält ein Honorararzt einen Stundenlohn von 80 bis 150 Euro. Doch gibt es noch weitere Probleme, mit denen Kliniken bei der Besetzung neuer Stellen zu kämpfen haben, wie die Abwanderung vieler Ärzte ins Ausland. Dies ist wiederum nicht verwunderlich, beträgt der Stundensatz eines Facharztes in Großbritannien am Wochenende oder in der Nacht bis zu 250 Euro. Allerdings müssen bei diesen Preisvergleichen auch Lohnnebenkosten, Urlaubszeiten, Krankheit und alle sonstigen Personalnebenkosten eingerechnet werden. Der Stundenlohn eines Honorararztes relativiert sich damit. Zumal nur die tatsächlich erbrachten Stunden abgerechnet werden.
Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Neueinstellung werden Leih- oder Honorarärzte häufig notgedrungen eingesetzt. Und die Zahl der unbesetzten Arztstellen steigt weiterhin: Gab es Anfang letzten Jahres noch 1000 freie Stellen, so waren es Ende des Jahres bereits 5000. Dieser Trend wird nicht zuletzt durch die Fülle von Stellenanzeigen für Mediziner im Ärzteblatt deutlich.
Der Marburger Bund befürchtet, dass eine Anstellung als Klinikarzt immer unattraktiver wird. Um der Arztabwanderung und dem Trend zur Einstellung von Honorarärzten entgegenzuwirken, fordert er aktuell eine Gehaltserhöhung um 5 % sowie eine höhere Vergütung der Bereitschaftsdienste. Diese Forderung wird von der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände jedoch als unbezahlbar zurückgewiesen. Die Betriebsräte von ver.di fordern ebenfalls gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, damit die Tarifverträge durch die Leiharbeitkräfte nicht unterlaufen werden. Die Beschäftigten empfinden diesen Aspekt als Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Arbeit.
So steigt die Unzufriedenheit – was dazu führen kann, dass immer mehr Fachärzte selbst auf den Geschmack kommen und lieber als Honorarärzte arbeiten möchten, denn hier muss man nur in eine Reisetasche und ein eigenes Stethoskop investieren.
Die genaue Anzahl an Ärzten, die in Deutschland zur Zeit auf Honorarbasis arbeiten, weiß allerdings selbst der Bundesverband der Honorarärzte (BV-H) nicht zu benennen. Man rechnet mit 1000–2000. Sicher ist jedoch, dass das Arbeitsfeld Honorararzt aufgrund des schwerwiegenden Ärztemangels geradezu „boomt“. Neben unbesetzten Stellen kommen Leihärzte zudem häufig bei kurzfristigen Ausfällen, wie zum Beispiel durch Schwangerschaft oder Krankheit, als Vertretung in Einsatz. Werden Honorarärzte als negativ bewertet? Nicht alle haben ein negatives Bild von Honorarärzten – so vertritt zum Beispiel Dr. Florian Hentschel, 2. Vorsitzender des BV-H, eine gänzlich andere Meinung. In seiner Tätigkeit als Honorararzt nimmt er die Reaktion der Kollegen als durchaus positiv wahr. Denn schließlich kommen Honorarärzte meist als Entlastung in absoluten Notlagen in Einsatz, außerdem handle es sich dabei meist um „sehr erfahrene, hoch qualifizierte“ Fachärzte. Hinzu kommt, dass der Stillstand aufgrund eines Personalmangels, gerade in Bereichen wie der Chirurgie, weitaus teurer ist als die Bezahlung eines Honorararztes.
Trotz der Unbeliebtheit von Leiharbeitern auf der Verwaltungsebene werden sich Krankenhäuser mit diesem Trend abfinden müssen. Denn der akute Ärztemangel wird wohl auf absehbare Zeit nicht behoben werden können, dies gilt insbesondere für Kliniken, die bereits aufgrund ihres unattraktiven Standorts Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen haben.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, gilt es, den Bedarf an Leiharbeit zu minimieren. Die eigene Klinik muss an Attraktivität gewinnen, um mehr Ärzte anzuziehen. Doch wie wird eine Klinik zum attraktiveren Arbeitgeber? Neben der Entlohnung spielen hier vor allem das Weiterbildungsangebot, flache Hierarchien, der Anteil an Privatpatienten bei abrechnungsbefugten Ärzten sowie die gesamte Außendarstellung der Klinik eine Rolle.
Denn je attraktiver eine Klinik nach außen wirkt, desto eher können sich potentielle Bewerber mit der Idee anfreunden, an dieser Klinik tätig zu sein.
Kliniken werden im Kampf um neue Ärzte Kreativität beweisen und neue Wege gehen müssen. Durch den Einsatz von Honorarärzten lässt sich zwar der Personalnotstand lindern, seine Ursachen werden jedoch nicht beseitigt.
Der „Bundesverband für Honorarärzte“ wurde am 19 . Januar 2008 gegründet . Ziel der Vereinigung ist es, sich in Deutschland für die Tätigkeitsform des Honorararztes einzusetzen, da sie hierzulande bisher kaum Anerkennung erfährt. Das ärztliche Standesrecht erkennt zur Zeit nur denjenigen Arzt an, der in der Klinik auf Angestelltenbasis tätig ist, und den, der in der eigenen Praxis als niedergelassenenr Arzt selbständig ist. Seit einigen Jahren suchen immer mehr Ärzte nach einer weiteren Form der beruflichen Tätigkeit: der des Honorar- oder Leiharztes. In anderen Ländern Europas wie Frankreich oder Großbritannien ist dieses Berufsbild schon etabliert, nur in Deutschland tut man sich noch schwer damit.
Viele Kliniken greifen aufgrund von Personalmangel zunehmend auf freiberufliche Ärzte zurück, die gegen Honorar dort arbeiten, wo die Not am größten ist. Am weitesten verbreitet und wegen der geringen Patientenbindung wohl auch am besten geeignet für Honorarärzte ist die Arbeit in der Anästhesie. Einige Kliniken haben sich sogar einen festen „Pool“ von Aushilfskräften aufgebaut, die in schweren Zeiten das Stammpersonal entlasten.
Auch die Juristen der Bundesärztekammer beschäftigen sich mit Fragen zu diesem Tätigkeitsstatus: Welche Ärztekammer ist zuständig, wenn die Ärzte an verschiedenen Orten und Bundesländern tätig sind? Und wie geht man mit den Medizinern um, die sich den Kontrollen durch Klinik und KV entziehen? Neben diesen rechtlichen Fragen, deren Bearbeitung auch ein Beitrag des BV-H sein soll, will der Verband sich um seine Mitglieder kümmern und deren Interessen vertreten. Die Mitglieder sollen Zugang zu einem Beratungsangebot zu den Themen Existenzgründung, Altersvorsorge, persönlicher Gesundheitsvorsorge, Versicherung und Absicherung der beruflichen Tätigkeiten haben. Zudem arbeitet der Verband an der Konzeption und Durchführung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Zertifizierung der Honorarärzte.
Healthcaremanagement » Personalwesen » Leiharbeit im Krankenhaus
Ich bin Honorarärztin und kann von gemischten Reaktionen des Stammpersonals berichten. Das kommt denke ich immer auf die jeweilige Klinik an, und auf die Ärzte, die dort tätig sind. Sicher sind viele erleichtert, wenn Ihnen Arbeit abgenommen wird. Auf der anderen Seite gibt es immer Kollegen, die Leihärzten aufgrund des Gehaltsunterschieds feindselig gegenüber stehen... Damit muss man sich eben abfinden.
Posted by Sabine A., 16/03/2011 10:37am (vor 11 Monat)
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